Start für das Lärmschutzbauwerk entlang der Hafenstraße
Lärmschutz, zukünftiger Brückenkopf, Rad und Gehweg, Landschaftsskulptur - bündelnde Funktionen in einem multifunktionalen Bauwerk
„Nach dem bedeutenden und unvergessenen Zwischenschritt "Landesgartenschau Bingen am Rhein 2008" führen wir mit dem heutigen 1. Spatenstich die Umsetzung der Planungen zur Umgestaltung des ehemaligen Industriehafens hin zum Wohnen am Wasser konsequent fort", betonte Oberbürgermeisterin Birgit Collin-Langen vor den geladenen Gästen. Ein Etappenziel hin zur Gartenstadt mit insgesamt 23 Stadthäusern, unmittelbar am Rhein gelegen, sei das als Landschaftsskulptur ausgebildete Lärmschutzbauwerk, das in nunmehr 16 Monaten bis zum Ende nächsten Jahres fertig gestellt sein soll.
In einer Arbeitsgemeinschaft der Firmen Faber und Ditandy, Bauunternehmungen, wird die Hafenkolonnade als eine ca. 800 m lange, 6,50 m breite und bahnseitig 7,00 m, zur Hafenstraße 5,30 m hohe, für Radfahrer und Fußgänger nutzbare Landschaftsskulptur errichtet. Die in das Bauwerk integrierten kombinierten Rad- und Fußwege werden den Bereich vom "Alten Kran" mit dem Yachthafen verbinden und so auch für die Aufnahme der überregionalen Radverkehre entlang des Rheins von Rotterdam nach Basel in einer Art Doppelwelle entlang der Bahntrasse bereitstehen.
Bei den Planungen wurde darauf geachtet, dass die in der Rahmenplanung vom Jahre 2001 dargestellten Brückenverbindungen zwischen der Kernstadt und dem neu gewonnenen Wohn- und Freizeitbereich in Zukunft realisiert werden können, um den für die Besucher der Stadt, aber auch die Bürgerschaft selbst, neu gewonnenen attraktiven Ort dauerhaft mit dem Stadtgebiet zu vernetzen und letztlich so Bingen wieder näher mit dem Rhein zu verbinden.
Für die Stadt Bingen ist dabei von entscheidender Bedeutung, dass durch dieses Bauwerk der Lärmschutz für die bereits vorhandenen und geplanten Stadtvillen der Gartenstadt erfüllt und dauerhaft gesichert wird, andererseits aber auch für die vorhandenen Siedlungsbereiche der Innenstadt keine Nachteile aus etwaigen Schallreflexionen durch das neue Bauwerk erwachsen. Um diese Ziele zu erreichen, werden ganz neue Wege beschritten. Erstmals kommt in dieser Region eine begehbare und befahrbare Lärmschutzkonstruktion in Gabi-onenbauweise zum Einsatz, die sich als individuell gestaltete Natursteinlandschaft darstellt. Besonders Schall absorbierendes Lavagestein zur Bahnseite hin und verschiedene Gesteinssorten aus der Region rheinseitig bieten einen attraktiv gestalteten Anschluss der Gartenstadt zur Kernstadt.
Absolut neuartig ist das gestalterische Konzept des mit 6,40 Mio. Euro veranschlagten Gabionenbauwerks. Die Drahtgitterkörbe werden nicht einfach mit Schotter verfüllt, sondern nach einem genau vorgegebenen Konzept mit unterschiedlichen Natursteinsorten liebevoll geschichtet. Sie spiegeln den geologischen Aufbau der Region des oberen Mittelrheintales über die Erdgeschichte wieder und bilden zudem reizvolle Farbkontraste. Ein landschaftsgestalterischer Wiedererkennungswert zu den Bruchsteinwänden, vor allem der Weinbergterrassen jenseits des Rheins, aber auch der Terrassierungsmauern im neu gestalteten Hafenpark, ist kein Zufall, sondern vom Architekten beabsichtigt.
Nach intensiven Beratungen favorisierte die Stadt den Entwurf des Münsteraner Architekten Christoph Thiel, der die Planung des jetzt entstehenden Bauwerks vornahm. Grundlage der Beratungen waren die prämierten Entwürfe aus dem vorgeschalteten architektonischen Realisierungswettbewerb „Kolonnade“ im Jahre 2006, nachdem diese zum Teil ihre Wettbewerbsbeiträge nochmals konkretisiert und überarbeitet hatten. Grund für die Entscheidung, dem Entwurf Thiel zu folgen, war einerseits die integrierte Gestaltung der Doppelwelle, welche sich in das bereits umgesetzte Konzept der Ufergestaltung nahtlos einfügt, und andererseits der wirtschaftliche Aspekt, der sich letztlich in der Stabilität und der daraus resultierenden Dauerhaftigkeit des Bauwerkes niederschlagen wird. Darüber hinaus soll ein touristisches Konzept dem Bauwerk einen Mehrwert für die Stadt Bingen geben. Schließlich beginnt hier in Bingen das Weltkulturerbe „Oberes Mittelrheintal“, das jährlich viele Tausende Touristen aus aller Welt anzieht. Es macht Sinn, auf die vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt Bingen und der ganzen Region hinzuweisen, um so den ein oder anderen Übernachtungsgast für Bingen und die Umgebung zu gewinnen.
Als Moderator des Planungsprozesses hat Prof. Dr. E.h. Helmut Striffler aus Mannheim die Planungen seit der Wettbewerbsphase begleitet und die prototypische Lösung auch an anderer Stelle im lärmgeplagten Rheintal hervorgehoben. Mit kreativen Lösungen dieser Art kann die Region für die Bürger lebenswerter und für Touristen interessanter gemacht werden.
In mehreren Überarbeitungsstufen wurden zunächst die Anforderungen an den Lärmschutz, die Transparenz zum Rhein und natürlich die Wirtschaftlichkeit untersucht und optimiert. Von Beginn an stand dabei der Mehrwert der Anlage über den reinen Lärmschutz hinaus, besonders auch aus städtebaulicher Sicht, im Vordergrund. So entsteht nun eine einmalige Landschaftsskulptur, die aufgrund der wellenförmigen Wegeführung spielerisch erfahren und befahren werden kann. Für den überregionalen Fahrradweg Rotterdam – Basel entsteht damit eine besondere Attraktion bereit, die von den mehreren tausend Rad-touristen, die jährlich diese Strecke befahren, direkt erlebt werden kann. Am umgestalteten Hafenplatz - hier entsteht ein einladender Platz um den Alten Kran zum verweilen - kann das Panorama im Denkmalensemble Zollhaus, Reiterstellwerk und Alter Kran mit Sitzgelegenheiten genossen werden.
Über eine dezente Illumination soll das Bauwerk in das Lichtkonzept der Stadt Bingen einbezogen werden und damit ein weiteres Merkzeichen für Bingen bilden.
Heinz Peter Albertsmeier und Erwin Muders als Geschäftsleitung der Projektentwicklungsgesellschaft Bingen am Rhein GmbH & Co. KG (EGB) zeichnen verantwortlich für den Ablauf der gesamten Baumaßnahme. Wie bereits bei der Geländeaufbereitung und Erschließung für die Landesgartenschau sowie der Erstellung der ersten 4 Häuser der Gartenstadt, hat die Stadt Bingen die EGB als 100-prozentige Tochter mit der Durchführung beauftragt.
Aktualisiert (Montag, 13. Juli 2009 um 13:43 Uhr)




